Rationaler Antibiotikaeinsatz durch Information

Im Basisvorhaben „Rationaler Antibiotikaeinsatz durch Information und Kommunikation: Ein multimediales Modellprojekt mit kontrolliertem Design“ (RAI) werden umfassende Informations- und Kommunikationsstrategien zur Verbesserung der Anwendung von Antibiotika entwickelt. Die Expertise von Partnern aus den Bereichen Landwirtschaft, Veterinärmedizin, Mobilität, medizinische Forschung und sowie von Kommunikationsexperten wird in Hinblick auf eine wirkungsvolle Kommunikation zusammengetragen.

Beteiligte Partner sind:

  • Charité – Universitätsmedizin Berlin (Koordinator)
  • Freie Universität Berlin
  • Robert Koch-Institut (Berlin)
  • Universitätsklinikum Jena

Interventionsphase startet

 

„Es gibt ein ständiges Sicherheitsbedürfnis. […] Dass dies für die Allgemeinheit ein Problem darstellt, da wieder ein kleiner Beitrag dazu geleistet wird, dass das eingesetzte Antibiotikum möglicherweise irgendwann nicht mehr wirkt, wird dann auch mal ausgeblendet. Der Arzt ist in der Situation emotional ganz anders involviert.“ Chefarzt Anästhesie und Intensivmedizin im Rahmen der Qualitativen Erhebung im Jahr 2015.

Was dieser Chefarzt einer Intensivstation beschreibt, ist eine der Barrieren, die den rationalen Einsatz von Antibiotika erschweren können – in diesem Fall ein hohes Sicherheitsbedürfnis. Zusätzlich bewegen sich Ärzte, sowohl aus der Human- als auch der Tiermedizin, im Spannungsfeld zwischen evidenzbasierten Empfehlungen, dem eigenen Sicherheitsbedürfnis und dem Wohl des Patienten.

Diese und viele weitere Barrieren des rationalen Umgangs mit Antibiotika wurden im Rahmen des Forschungsprojekts und Basisvorhabens »RAI« sektorenübergreifend analysiert. ( http://www.rai-projekt.de/rai/verstehen/)

An den ermittelten Barrieren setzte die Entwicklung der Interventionsmaßnahmen an. Dabei werden sowohl Lücken im Wissen als auch Barrieren im Alltag berücksichtigt, unberücksichtigt blieben systembedingte Barrieren, die in den Strukturen von Verwaltung und Gesetzgebung im Gesundheitswesen verankert sind.

Ob Chefärzte, Oberärzte oder Assistenzärzte aus Anästhesie, Intensivmedizin und Chirurgie, ob Hausärzte oder Tierärzte, ob Landwirte oder Allgemeinbevölkerung, in einem Punkt waren sich alle Teilnehmer der Befragung einig: das Thema Antibiotikaresistenzen ist von hoher Relevanz. Und die Bereitschaft, entsprechend zu handeln, scheint groß zu sein.

Ab August 2016 werden auf dieser Basis entwickelte Maßnahmen gestaffelt eingeführt und getestet. Dabei wurde viel Wert auf Alltagstauglichkeit gelegt – die mit Nutzertests in einem itterativen Prozess verbessert wurde.

Tierärzte mit den Schwerpunkten Schwein und schweinehaltende Landwirte

Um Tierärzte mit den Schwerpunkten Schwein und schweinehaltende Landwirte zum Thema Einsatz von Antibiotika zu informieren, wurde eine Podcast-Serie entwickelt in dem ein Experte aus der Praxis und Wissenschaft gemeinsam zu Themenschwerpunkten diskutieren. Die im »Schweine-Cast« angesprochenen Themen werden in begleitenden Info-Broschüren vertieft. Diese Broschüren bieten komprimiertes Hintergrundwissen zu der jeweiligen Podcast-Folge und bereiten dieses mit Infographiken verständlich auf.

Ansprechpartner:
N.N.

Hausärztlicher Bereich

Die Intervention im hausärztlichen Bereich setzt auf die Unterstützung der Arzt-Patienten-Kommunikation kombiniert mit einem Instrument zum Selbstmonitoring des Verordnungsverhaltens durch

  • einen Infozept-Generator zur online- Erstellung von Informationsmaterialien mit Schwerpunkt auf akute Atemwegserkrankungen. Die Infozepte beantworten mögliche Fragen von Patienten um Symptome zu entdramatisieren, bieten anschauliche Erklärungen zur Symptomlinderung und unterstützten dadurch den Arzt auf Antibiotika zu verzichten. Diese Patienteninformationen gibt es in Deutsch, Englisch, Türkisch und Arabisch zum Ausdrucken und überwindet damit mögliche Sprachbarrieren in der Hausarztpraxis.
  • eine Smartphone App, verbunden mit einem Bluetoothbutton, die das eigene Verordnungsverhalten von Antibiotika bei akuten Atemwegsinfektionen ohne großen Aufwand erfasst – es genügt ein Knopfdruck pro Verordnung.
  • Fortbildungen zur rationalen Antibiotikatherapie.

Ansprechpartner:

für Berlin und Brandenburg
Herr Dr. Florian Salm
E-Mail: florian.salm@charite.de

für Thüringen
Frau Dr. Inga Petruschke
E-Mail: inga.petruschke@med.uni-jena.de

Stationärer Bereich

Im stationären Bereich verfolgt die Intervention einen Train-the-Trainer-Ansatz. Ärzte mit Leitungs- bzw. Fortbildungsverantwortung auf einer Intensivstationen oder in einer chirurgischen Abteilung (Unfallchirurgie/Orthopädie, Allgemein-/Viszeralchirurgie) werden zentral zur antimikrobiellen Therapie wichtiger Krankheitsbilder fortgebildet und bekommen ein Konzept sowie Materialien an die Hand, um das Wissen in ihren Abteilungen weiterzugeben und Versorgungsprozesse zu verbessern. Um Effekte dieser Maßnahmen in den einzelnen Krankenhäusern zu überwachen, ist die selbständige Durchführung von Mini-Audits zur rationalen Antibiotikatherapie durch die teilnehmenden Kollegen notwendig.

Ansprechpartner:
RAI.ZIMK@med.uni-jena.de bzw.
Frau Dr. Anne Moeser
E-Mail: anne.moeser@med.uni-jena.de

Weitere Informationen erhalten Sie auf der RAI-Webseite.